DIE NEUE FLOW!
Die neue Flow liegt ab sofort für dich am Kiosk!
Oder du bestellst sie online zu dir nach Hause unter shop.flow-magazin.de.
Das sind die Themen in diesem Heft:
Etwas Neues wagen
Im Frühling herrscht Aufbruchstimmung. Wie wir sie bewusst für uns nutzen können, um uns neu auszurichten, ohne uns damit zu überfordern
Was machst du gerade?
Das haben wir drei Menschen gefragt, die uns inspirieren: Farmbesitzerin Liz Huntly Jensch, Designerin Inga Borges und Coachin Ursula Tücks
Fürsorge statt Optimierung
Oft nehmen wir unseren Körper für selbstverständlich und ärgern uns, wenn wir mal krank sind. Ärztin Giulia Enders plädiert für mehr Nachsicht
Heilsame Romane
Bücher, die trösten und uns innerlich voranbringen: Volontärin Eva Eß untersucht das Phänomen „Healing Fiction“
Lebenslauf: Tara Paighambari
Mit viel Mut und Zuversicht gelang ihr der Weg aus einem Flüchtlingsheim zur erfolgreichen Unternehmerin. In ihren zwei Cafés wird Meinungsvielfalt gelebt
Spontaner leben
Unangekündigt bei Freund:innen vorbeischauen, sich durch den Tag treiben lassen: Spontaneität ist so bereichernd. Wie wir mehr Raum für sie schaffen
Porträt: Diane von Fürstenberg
Die Erfindung des Wickelkleids machte die Modeschöpferin weltweit bekannt. Sie erfüllte sich damit ihren Traum, unabhängig zu sein
Eine neue Liebe
Frustriert vom endlosen Swipen in Dating Apps? Wie man heute jemanden findet, der wirklich zu einem passt
Kraft der Berge
Beim Wandern im Himalaya erlebt Christiane Würtenberger Herausforderungen und echte Glücksmomente
Post, die verbindet
Briefeschreiben ist etwas aus der Mode gekommen. Diese Initiativen beleben die Begeisterung für handgeschriebene Post und bringen Menschen zusammen
Weise Worte
Wie wir ein erfülltes Leben führen können, damit befassen sich Philosophen seit jeher. Fünf kluge Erkenntnisse
Der richtige Ton
Wie wir unsere Stimme nutzen, damit ankommt, was wir sagen wollen, weiß die Stimmtrainerin Sabine Karpa
✂️ Papierextras: Frühlingsdeko & Postkarten
Das Titelbild hat die Illustratorin Ivona Mitankina gestaltet. Wir wünschen dir viel Freude beim Lesen und Entdecken!
LESEPROBEN aus der neuen FLOW
FLOW Nummer 96
Etwas Neues wagen
Wenn es draußen wärmer wird, herrscht Aufbruchstimmung. Annemiek Leclaire hat sich gefragt, wie wir sie gut für uns nutzen können – ohne uns dabei zu überfordern.
„Es gibt nichts, was so unglaublich ist, wie den Frühling zu erspähen. Als würde ein Tier, das aus seinem Winterschlaf erwacht ist und verzweifelt darauf wartet, freigelassen zu werden, um deine Brust herumlaufen“, schreibt die Autorin Tiffany Francis-Baker in ihrem Buch Im Flow mit den Jahreszeiten. „In Zeiten der Kälte und Dunkelheit ziehen wir uns in unseren Kokon zurück. Dann dreht sich das Rad, und wir sind wieder frei, erneuert, so wie jedes Jahr. Die Samen wachsen, der Regen fällt, der Kreislauf geht weiter. Es ist wieder einmal Frühling. Unsere Körper hören den Ruf der Wildnis, und wir tauchen von Neuem ins Licht“, schwärmt die Engländerin.
Auch ich kenne das Gefühl: Mit den ersten milden Tagen stellt sich bei mir eine kaum zu bändigende Mischung aus Vorfreude und Tatendrang ein. Ich schmiede neue Pläne, lasse mich von der Energie der Menschen in meinem Umfeld anstecken und möchte am liebsten sofort mit allem Möglichen loslegen. Das Problem ist: Sosehr ich diese Aufbruchstimmung genieße, so sehr setzt sie mich auch unter Druck. Ich stürze mich Hals über Kopf in Vorhaben, beginne begeistert damit, meine Balkonmöbel abzuschleifen, verteile meinen gesamten Kleiderschrank im Zimmer, um meine Garderobe frühlingsfit zu machen – und verzettele mich dann. Wonach ich mich wirklich sehne und wovon ich mehr in mein Leben holen möchte, spüre ich vor lauter Hektik gar nicht. Ich frage mich: Wie kann ich den Neubeginn im Frühling nutzen, um auch mich neu auszurichten, Altes loszulassen und mich gleichzeitig auf das besinnen, was mich in meinem Leben beflügelt?
UNTER DER ERDE
Der Niederländer Marcel Tjepkema versteht den Frühling als langsamen Prozess: Etwas ist im Begriff, aufzukeimen. Tjepkema ist der Direktor des Club Groeneveld, einer Initiative, die unter anderem Kurse zur Weisheit der Jahreszeiten organisiert. „Im Februar ist unter der Erde alles in Bewegung, aber davon ist noch wenig zu sehen“, sagt er. „Das, was nach oben kommen will, sammelt Kraft, um die Erde zu durchbrechen. Aber es kann noch Frost darüber kommen.“ Was wir als eigentlichen Beginn einer Jahreszeit sehen, sei eher ihr Höhepunkt, findet Tjepkema. „So wird der Tag mit dem meisten Licht, meist der 21. Juni, als Beginn des Sommers angesehen. Aber dieses maximale Licht hat sich aufgebaut. Frühling, Sommer, Herbst und Winter kommen nicht plötzlich.“ Ihm zufolge starten die Jahreszeiten etwa sechs Wochen früher, als wir denken. Auch der Frühling beginne aus seiner Sicht schon um den 4. Februar, wenn es draußen noch kalt ist, aber die ersten Anzeichen neuen Lebens sichtbar werden. Einen ähnlich schrittweisen Wandel erlebe unsere innere Natur, sagt Tjepkema: „Die Stimmung hellt sich auf, neue Energie regt sich, und plötzlich fühlt sich vieles leichter an.“ Das sei ein guter Zeitpunkt, um innezuhalten und zu beobachten, was in einem aufkeimt.
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Post, die verbindet
In einer Welt voller hastig verschickter Nachrichten schaffen handgeschriebene Briefe Nähe und Verbindung. Eine Liebeserklärung an die Post.
Der Dienstag war in meiner Kindheit lange mein Lieblingstag: Wenn ich aus der Schule kam, konnte ich es kaum erwarten, in den Briefkasten zu schauen. Denn so gut wie immer fand ich dort einen Brief von meiner Großmutter. Ich erkannte ihre Post sofort: Die Umschläge waren hübsch verziert mit kleinen Vögeln oder Blumen und dicker als die üblichen Briefe. Meine Großmutter schrieb mit Füller und nummerierte die Seiten, damit ich beim Lesen nicht durcheinanderkam. Sie erzählte mir, was es Neues in der Nachbarschaft gab, welches Buch sie gerade las, und wollte wissen, was mich beschäftigte. In einer Schublade in meinem Schreibtisch bewahrte ich ihre Briefe auf, gleich neben dem Briefpapier, auf dem ich ihr noch in derselben Woche antwortete. Über viele Jahre pflegten wir eine rege Brieffreundschaft und blieben auf diese Weise auch später in Verbindung, als ich längst erwachsen war, studierte und in meiner ersten eigenen Wohnung lebte. Erst mit dem Tod meiner Großmutter endete unser geliebtes Ritual – ihre Briefe bewahre ich bis heute auf.
MAGIE IM ALLTAG
Inzwischen ist das Briefeschreiben ein bisschen aus der Mode gekommen. Wir tippen die meisten Mitteilungen an Familie und Freund:innen innerhalb weniger Sekunden in unser Smartphone und teilen fast alles, was uns im Alltag beschäftigt, auf digitalem Wege. Doch es gibt Plattformen, die die Begeisterung für handgeschriebene Post erfolgreich wiederbeleben. Besonders beliebt ist zum Beispiel Postcrossing, ein weltweites Tauschprojekt für Postkarten. Ana Campos ist Mitgründerin der Initiative und glaubt fest daran, dass Karten und Briefe Menschen auf besondere Weise verbinden. „Eine Postkarte im Briefkasten macht den Alltag ein bisschen magischer. Sie ist weit gereist, man kann sie in den Händen halten und aufbewahren“, sagt Ana. „Wir heften normalerweise keine E-Mails an den Kühlschrank, Postkarten aber schon. Weil sie uns wie kleine Erinnerungsstücke erscheinen.“
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