DIE NEUE FLOW!

Ab sofort am Kiosk oder per Post zu dir nach Hause bestellen:
die neue Ausgabe von Flow  ist da.

Die neue Flow ist ab heute am Kiosk oder über unseren Onlineshop zu haben. Im Heft geht es dieses Mal um folgende Themen:

// Kraft des Optimismus nutzen: Zuversichtlich zu bleiben fällt in diesen Zeiten manchmal schwer. Wie es trotzdem gelingt und warum eine optimistische Haltung nichts mit krampfhaft guter Laune zu tun hat

// Was machst du gerade? Das haben wir drei Menschen gefragt, die uns inspirieren: Papierkünstlerin Julia Toosarani-Hausberger, Grundschullehrerin Saskia Niechzial und Malerin Laxmi Hussain

// Klug überzeugen: Laut zu sein scheint heute oft wichtiger als Wissen und durchdachte Argumente. So gehen viele gute Ideen verloren. Wie wir uns auch anders Gehör verschaffen können

// Zur Ruhe kommen: Wir leben in einer geschäftigen Welt, die größte Unruhe kommt aber oft von innen. Wie können wir gegensteuern und Inseln der Stille im Alltag finden?

// Lebenslauf: Paolo Cognetti – Nach einer langen Phase der Unsicherheit gelang dem Schriftsteller mit 40 Jahren der Durchbruch – genau zur richtigen Zeit, wie er findet. Hier erzählt er von seinem Weg

// Trau dich, du selbst zu sein: Damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen, rät Unternehmerin Caroline Glasbergen ihnen vor allem eins: auf sich zu vertrauen und die eigenen Werte zu vertreten

// Porträt: Nina Simone – Sie eroberte die Bühnen der Welt mit ihren Jazz- und Blueshymnen – und sang laut gegen Rassismus an

// Rezepte mit Gefühl: Den Überschwang, die dicke Jacke wegzupacken – das verbindet die Foodbloggerin Eva Kamper-Grachegg mit ihrer Holunder-Tarte. Sie übersetzt Gefühle in Rezepte und verrät vier Lieblingsrezepte

// Buchtipps fürs Frühjahr – Nachschub zum Lesen, Hören und Anschauen: die aktuellen Lieblinge der Flow-Redaktion

// Papierextras: Frida-Kahlo-Poster und der zweite Flow Minikurs „Positiver Denken“

Die Coverillustration hat Emily Hogarth @emilyhogarth gestaltet. Wir wünschen dir viel Freude beim Lesen und Entdecken.

LESEPROBEN aus der neuen FLOW

FLOW Nummer 65

Die Kraft des Optimismus nutzen

Krisen haben unsere Welt fest im Griff. Da fällt es bisweilen schwer, zuversichtlich zu bleiben. Wie es trotzdem gelingt, wie es sich auf unser Leben auswirkt – und warum eine optimistische Lebenshaltung nichts mit krampfhaft guter Laune zu tun hat. Diesen Fragen ist Autorin Sarah Klüss nachgegangen

Bedrückt beende ich das Telefonat und sehe aus dem Fenster. Auf das Gespräch mit meiner Freundin hatte ich mich seit Wochen gefreut. Ich wollte erfahren, wie es ihr geht, was sie beschäftigt. Doch irgendwie nahm jedes Thema, über das wir sprachen, eine negative Wende: Die Pandemie sei noch immer nicht überstanden, die Betreuung ihrer Kinder klappe nur unzuverlässig, und ihre Arbeit lauge sie aus. Überhaupt: Wenn sie Nachrichten lese, könne sie sich vor negativen Schlagzeilen zur Klimakrise, zur Inflation und dann auch noch zum Krieg in der Ukraine kaum vorstellen, wie es weitergehen soll. Ich verstand ihre Verzweiflung. Das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen gerät, kann einen ziemlich überwältigen. Doch mich beschäftigt noch ein anderer Gedanke seit Längerem: Meine Freundin scheint die Welt grundlegend anders zu sehen als ich. Steht sie vor unerwarteten Veränderungen, geht sie davon aus, dass es für sie zum Schlechten ausgehen wird. Kommt es tatsächlich so, sieht sie darin den Beweis, dass das Leben eben mies sei. Oft höre ich sie sagen: „Egal, was ich versuche: Ich habe einfach kein Glück.“ Sie aufzumuntern gelingt mir dann kaum. So manches Mal warf sie mir gereizt vor, ich würde alles schönreden, während ich fand, sie sei eine Schwarzmalerin.

Foto: Melissa Mullin / Unsplash

Nachdem wir auflegten, frage ich mich deshalb: Hat meine Freundin es wirklich schlechter getroffen und guten Grund, vom Leben nicht viel zu erwarten? Bin ich mit meinem Optimismus blauäugig und naiv, weil die Welt ja tatsächlich krisengeschüttelt ist und es genug Grund zum Verzweifeln gibt? Wovon hängt es ab, wie wir in die Zukunft blicken – und wie wirkt sich das auf unsere Zukunft aus?

Echte Hoffnung

Auf der Suche nach Antworten vertiefe ich mich in Das Buch der Hoffnung der britischen Naturforscherin Jane Goodall. Die 88-Jährige widmete ihr ganzes Leben der Natur und dem Artenschutz, sie gilt als Pionierin der Verhaltensforschung. Dass gerade sie ein Buch über Hoffnung veröffentlicht, überrascht mich.

Weiterlesen in der aktuellen Ausgabe von Flow

Stille finden in einer geschäftigen Welt

Wie geht man mit einer Unruhe um, die nicht nur von außen, sondern auch von innen kommt? Journalistin Annemiek Leclaire sucht nach Ruhemomenten im täglichen Lärm

Es ist noch nicht einmal sechs Uhr morgens, als ich aus dem Bett schlüpfe, eine Kerze anzünde und ein paar Übungen mache. Im Haus herrscht Ruhe; die Kinder schlafen noch. Wenn ich merke, dass ich nachts nicht aufhören kann zu grübeln, beginne ich einmal mehr mit meinen Stilleübungen. Das ganze Jahr über nehme ich sie in unregelmäßigen Abständen auf wie den Faden eines unfertigen Strickzeugs. Ich öffne ein Fenster, setze mich auf ein sonnengelbes Kissen und trinke langsam eine Tasse Tee. Dann schließe ich für eine Weile die Augen, achte nur auf meinen Atem, meditiere. Im Anschluss versuche ich, für einen Moment die Ruhe zu spüren, auch mit offenen Augen, damit ich etwas davon wie eine sanfte Schutzschicht mit in den Tag nehmen kann.

Foto: Loli Clement / Unsplash

Den letzten Teil, das Spüren der Stille mit offenen Augen, habe ich von dem schwedischen Yogalehrer Magnus Fridh gelernt. Vor ein paar Jahren war Fridh an einem kalten Tag in Stockholm auf dem Weg zur Arbeit. Der Februarmorgen graute, und der Wind pfiff ihm um die Ohren. Er wollte gerade eine Straße überqueren, als er wegen einer roten Ampel stehen bleiben musste. Er schaute sich um und stellte fest, dass die Leute neben ihm allesamt völlig in ihr Smartphone oder ihre Musik vertieft waren. Dann sah er plötzlich sich selbst daneben stehen, steif und verkrampft, während der Verkehr an ihm vorbeidonnerte. Er ließ die Arme an seinem Körper herunterhängen und erkannte, dass er das einzige Lebewesen im Umkreis war, das für einen Moment nichts tat. Er merkte, dass sein Akku fast leer war, dass sein Gehirn Ruhe brauchte. Während er wartete, kehrte ein Gefühl der Freiheit zurück. Er dachte an die Glocke in dem vietnamesisch-buddhistischen Kloster Plum Village in Südfrankreich, das er manchmal besuchte. Mehrmals am Tag hören die Mönche dort ein Signal, das sie zurück ins Hier und Jetzt ruft. Die Glocke stellt die Ruhe wieder her. Fridh erkannte, dass man die rote Ampel ebenfalls als Signal benutzen konnte, um an einer belebten Kreuzung mitten in der Stadt für einen Augenblick zur Ruhe zu kommen.

Weiterlesen in der aktuellen Ausgabe von Flow