Was machst du gerade?

Dörte Kelm

× 47 Jahre  ∇ Bardowick  ♥ mit Freund und Sohn
→ Designerin
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Was machst du gerade?

Ich arbeite an neuen Motiven für meine Furoshiki-Tücher und lege im Moment die Farbwelten fest. Es wird eine grafische und eine florale Linie geben.

Was bedeutet Furoshiki?

Furoshiki bezeichnet ein quadratisches Stück Stoff, das man in Japan seit Jahrhunderten für jeden denkbaren Anlass nutzt. Man knotet die Ecken so zusammen, dass sich die Form ergibt, die man gerade braucht: ein Stoffbeutel, eine Geschenkverpackung, ein Tischtuch oder eine Tasche für Proviant. Statt Papier und Plastik zu verwenden und danach wegzuwerfen, wickelt man die Dinge in ein Tuch. Das sieht schön aus und lässt sich viele Male benutzen.

 „Wertschätzung für Materialien, Zeit und Menschen macht zufrieden.“ 

Wie bist du dazu gekommen, diese Tücher anzufertigen?

Vor zwei Jahren zog ich mit meiner Familie von Bayern zurück in den Norden Deutschlands, wo ich aufgewachsen bin. Das war wie ein Neuanfang für mich. Auch beruflich brachte mich der Umzug auf neue Ideen. Als ich in einer Zeitschrift etwas über japanische Furoshiki-Tücher und ihre alte Tradition las, wusste ich: Das ist es! Ich arbeite gern mit Textilien und hatte Lust, eigene Motive zu entwerfen. Vor allem aber hat mich die Tatsache begeistert, dass man mit einem einzigen Tuch so viele Möglichkeiten hat. Diese Idee möchte ich in die Welt hinaustragen, weil ich mich selbst so darin wiederfinde. 

Inwiefern?

Ich möchte keinen Ballast um mich haben, sondern nur das, was wichtig ist. Lieber besitze ich eine Sache, die wertig ist und mich lange begleitet, als dass mich zig Dinge wahllos umgeben. Das klingt minimalistisch, doch Minimalistin bin ich gar nicht unbedingt. Mir geht es um Wertschätzung: von Materialien, Zeit und Menschen, von Erinnerungen und Freundschaften. Ich glaube, dass sie das Leben zufriedener macht, auch für kleine Dinge wie ein Stück Stoff. Vor Kurzem haben mein Sohn und ich auf einem Spaziergang zum ersten Mal einen Eisvogel gesehen. Es war nur ein flüchtiger Moment, doch er hat uns viel bedeutet. Daran werden wir uns lange erinnern.

Text: Sarah Klüß, Jana Luck, Fotos: Catharina Marchio Photographie (Porträt), Dörte Kelm