DIE NEUE FLOW!
Die neue Flow liegt ab sofort für dich am Kiosk!
Oder du bestellst sie online zu dir nach Hause unter www.flow-shop.de
Das sind die Themen in diesem Heft:
Die beste Zeit zum Innehalten
Viele erleben den Herbst als schwierig. Dabei ist er eine wunderbare Einladung, uns neu zu orientieren und dankbar zu sein. Wie wir ihn auskosten
Lebenslauf: Brix Schaumburg
Schon als Kind wusste der Schauspieler, dass er ein Junge ist. Heute spricht er offen über sein Transsein – um Sichtbarkeit zu schaffen und Mut zu machen
Große Liebe, kleine Gesten
Was macht uns in Beziehungen langfristig zufrieden? Oft sind es die kleinen Dinge, sagen Expert:innen
Weniger scrollen, mehr lesen
Für viele ist die Newsletter-Plattform Substack inzwischen eine gute Alternative zu Insta, TikTok und Co. Was wir dort entdecken können
Auf Schatzsuche
Unterwegs auf Berlins Trödelmärkten geht es nicht nur um tolle Funde, sondern auch um spannende Begegnungen
Gelassener leben
Absichtslosigkeit heißt die Strategie, die laut dem Gesundheitsökonomen Fritjof Nelting wirksam für mehr Ruhe im Leben sorgt
Süße Seelenwärmer
Die leckeren Backrezepte von Foodbloggerin Kathrin Salzwedel machen den Abschied vom Sommer leichter
Die neue Lust am Sticken
Sticken wird gerade immer beliebter. Warum so viele diese alte Handarbeitskunst für sich wiederentdecken
Bad in der Kälte
Unsere Volontärin wagte sich in die vier Grad kalte Nordsee – und erfuhr, wie Eisbaden die körperliche und mentale Gesundheit stärken kann
Buchtipps für den Herbst
Hier kommen die aktuellen Lieblingsbücher der Flow-Redaktion
Mit Kränkungen umgehen
Sie können uns verletzen, unser Selbstbild ins Wanken bringen. Wie wir besser mit Kränkungen umgehen, erklärt der Philosoph Jörg Bernardy
✂️ Papierextras: Mini-Poster & Leporello-Büchlein
Wir wünschen dir viel Freude beim Lesen und Entdecken! Die Cover-Illustration stammt von Libby vander Ploeg.
LESEPROBEN aus der neuen FLOW
FLOW Nummer 101
Zeit zum Innehalten
Viele erleben den Herbst als schwierig. Dabei ist er eine wunderbare Einladung, uns neu zu orientieren und dankbar zu sein. Wie wir ihn für uns nutzen und voll auskosten, damit hat sich Journalistin Annemiek Leclaire beschäftigt
Morgens werde ich von lauten Kranichrufen geweckt. Aus dem Dachfenster im Schlafzimmer sehe ich abgeerntete Stoppelfelder im Regen. Die großen Vögel entdecke ich heute nicht. Dafür beugen sich die Bäume am Waldrand im Wind und verlieren dabei viele Blätter. In Japan würde man an einem solchen Tag seine Nachbarin vielleicht so begrüßen: „Heute erleben wir eine erfrischende Herbstbrise. Wie geht es dir?“ Dort spielen, wie in vielen asiatischen Ländern, die Jahreszeiten auch eine große Rolle in der Kommunikation. Ich finde ein solches saisonal geprägtes Hallo eigentlich ganz schön. Aber bei uns in Europa muss man damit rechnen, dass das Gegenüber sofort etwas Deprimierendes antwortet wie: „Schrecklich, dieser Regen!“ Oder: „Es ist schon acht Uhr, aber immer noch nicht richtig hell!“
VIEL ZU TUN
Fragt man Menschen nach ihrer Lieblingsjahreszeit, fällt die Antwort eher selten auf den Herbst. Und er hat ja auch seine schwierigen Seiten: Der Sommer ist vorbei und damit das spontane, leichte Leben draußen. Stattdessen klopft nun indirekt schon der Winter an. Man wird öfter nass. Die Tage werden kürzer. Und die dicke Jacke muss bald aus dem Schrank geholt werden. Doch im Oktober und November wird es nicht nur merklich kälter und dunkler, oft ist der Herbst auch eine besonders stressige Zeit. Nach den langen Sommerferien türmt sich die Arbeit, die Planungen fürs nächste Jahr stehen an, es gibt jede Menge Deadlines und bald geht es auch schon wieder auf Weihnachten zu mit all seinen To-dos. Gibt man nicht acht, ist der Herbst für viele von uns in erster Linie stressig. Und man vergisst vor lauter Aufgaben, nach draußen zu gehen. Schade — und zudem eine verpasste Chance. Denn der Herbst kann so viel mehr sein als ein melancholischer Übergang vom prallen Sommer zu winterlicher Kargheit. Auf den Feldern wird geerntet. Die Natur ist bunt und zeigt einen unglaublichen Reichtum. Und in Westeuropa gibt es auch viele schöne Traditionen. Ich für meinen Teil versuche in den letzten Jahren, den Lauf der Zeit nicht nur am Kalender abzulesen, sondern auch an dem, was in der Natur geschieht.
Wenn ich die ersten Nachtigallen singen höre, weiß ich: Der Frühling hat begonnen. Wenn ausgewachsene Frösche vor meinen Füßen ins Wasser von Bächen und Seen plumpsen, geht es auf den Sommer zu. Und wenn, wie jetzt, die Bäume draußen ihre Blätter verlieren, merke ich: Die Zeit der Üppigkeit und des Wachstums geht langsam zu Ende. Die Jahreszeiten aufmerksamer zu verfolgen, vertieft mein Leben und verbindet mich mit einem größeren Rhythmus. Mit dieser wiederentdeckten Naturliebe bin ich nicht allein. Die Menschen hierzulande verbinden Natur überwiegend mit positiven Gefühlen.
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Ein Bad in der Kälte
Bei vier Grad in die Nordsee – das wagt unsere Volontärin Eva Eß bei einem Retreat in Sankt Peter-Ording und erfährt, wie Eisbaden die körperliche und mentale Gesundheit stärken kann.
Ich schäle mich Schicht für Schicht aus meiner Kleidung, obwohl sich mein ganzer Körper dagegen sträubt. Vom Wintermantel über Pullover und Hose bis hin zu den Socken lege ich schnell alles auf einen Stapel. Bei der Kälte will ich mich nicht länger als nötig unbekleidet aufhalten. Der Himmel ist zwar blau und die Sonne scheint, die Temperaturen aber sind eisig. Deshalb lasse ich neben meinem Bikini auch die Wollmütze an. Als meine Füße das Wasser berühren, durchfährt mich kurz ein Schock. Gerade mal vier Grad hat die Nordsee heute, habe ich vorhin noch auf einer Infotafel gelesen. Ich schiebe den Gedanken beiseite und konzentriere mich auf meinen Atem. Langsam werde ich ruhiger. Schritt für Schritt gehe ich weiter ins Wasser und lasse mich auf die Kälte ein.
STIMMUNGSBOOSTER
Obwohl das Eisbaden viel Überwindung kostet, werde ich schnell mit Glücksgefühlen belohnt: Meine Haut kribbelt, mir wird warm, ich fühle mich ganz bei mir und komme aus dem Lächeln kaum noch heraus. Den anderen Teilnehmer:innen scheint es ähnlich zu gehen. Zu zehnt haben wir uns im Rahmen eines viertägigen Retreats auf dieses Abenteuer in Sankt Peter-Ording eingelassen. Als alle es ins Wasser geschafft haben, ist die Stimmung ausgelassen, wir haben tatsächlich richtig Spaß. Für Yogalehrerin Leni Wichmann ist das einer der wichtigsten Gründe fürs Eisbaden. „Wenn ich schlechte Laune habe, gehe ich ins Wasser. Wenn ich mich gestresst oder schlapp fühle, gehe ich ins Wasser“, sagt sie. „Für mich ist es ein kraftvolles Tool, um alles, was mir gerade nicht guttut, abzugeben und neue Energie zu sammeln.“ Leni leitet unser Retreat und begleitet uns mit Yoga, Atemarbeit, Aromatherapie und eben Eisbaden dabei, wieder in Verbindung mit uns selbst zu kommen und uns neu auszurichten. Viele aus der Gruppe stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, wie sich in der Kennenlernrunde gestern Abend zeigte. Einigen geht es gerade gesundheitlich nicht so gut, andere streben einen Jobwechsel an. Als wir aufs Eisbaden kamen, waren sich allerdings einige noch unsicher, ob sie wirklich ins Wasser wollen, der Respekt vor der Kälte war groß.
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